Namensgebung

Warum heißt die Gruppe [artgerecht] jetzt Libertäre Antispe Bergedorf?

Der Name [artgerecht] leitet sich aus der Gründungszeit unserer Gruppe von unserem ersten Transpi ab, das verkündete: [artgerecht ist nur die Freiheit!]. Es wendete sich gegen die Behauptung einer „artgerechten Haltung“. Es  besagte, dass es eine solche nicht geben kann, dass keine Haltung „gerecht“ – ob nun einer Art oder einem Individuum entsprechend – sein kann, da sie immer Gefangenschaft und Herrschaft bedeutet. Im Laufe der Zeit und eines inhaltlichen Weiterentwicklungsprozesses offenbarte sich eine weitere denkbare Interpretation und Bedeutungsebene, die wir nicht im Namen tragen wollen.

Der Begriff artgerecht impliziert eine recht determinierte Charakterisierung aller Mitglieder „einer Art“. Es suggeriert, dass es nur eine richtige, festlegbare Gestaltung / Führung des Lebens, welche von der Spezieszugehörigkeit abhängt, gibt.  Diese Annahme trifft nur in sehr begrenztem Rahmen zu, da es schlicht zu viele individuelle Bedürfnisse gibt, die auf alle oder auch nur auf einen Großteil der Mitglieder einer Spezies zutreffen. Gerechtigkeitsüberlegungen sollten sich primär auf das Individuum und dessen Interessen, Wünsche und Bedürfnisse und nicht auf seine Zuordnung zu Spezies, Rasse, Geschlecht etc. richten.

Auch der Begriff Freiheit kann auf verschiedene Weise gefüllt werden. Häufig wird in ihm die Abwesenheit jeder „Einmischung“, also jeder Interaktion und Kooperation mit Menschen, gelesen, womit ein vermeintlich vorzivilisatorischer, „natürlicher“ Zustand beschrieben werden soll, der mit unserer derzeitigen Lebensrealität nichts mehr zu tun hat.
Wir möchten Freiheit nicht als Widerspruch zu Kooperation und Freundschaft im Verhältnis zwischen menschlichen und nicht menschlichen Tieren verstanden wissen – auch nicht, wenn es bedeuten kann, dass sich die Lebensumstände beider anders darstellen würden, wenn diese Freundschaft aufgegeben wäre. Darüber hinaus ist ein vollständiger Abbruch dieses Verhältnisses ohne das (Aus-)sterben einer Partei undenkbar.

veganarchie

Warum ist diese Positionierung wichtig?

Das Ziel der Tierrechts/-befreiungsbewegung ist die Befreiung von Mensch & Tier. Während in Bezug auf menschliche Tiere die Utopie, also eine Vorstellung der angestrebten Gesellschaftsform bereits breit diskutiert und im Ansatz erprobt wird, beschränkt sich die Diskussion in Bezug auf nicht menschliche Tiere auf die Verneinung ihres jetzigen Status, bietet aber kein alternatives Verhältnis an. Doch dies ist unserer Meinung nach notwendig und wie auch beim Menschen ein wichtiger Teil des Befreiungskampfes. Der Abbruch der Koexistenz und Kooperation zwischen menschlichen und nicht menschlichen Tieren ist nicht nur nicht wünschenswert, sondern auch nicht realistisch. Um solchen Missdeutungen zu entgehen und diesem Reflektionsprozess Rechnung zu tragen, haben wir unseren alten Namen abgelegt und Raum für unsere spezifischen Charakteristika geschaffen.#

Libertäre: Die Beschreibung libertär stellt unsere grundlegende anarchistische und freiheitliche politische Ausrichtung in den Vordergrund.

Antispe: Die Abkürzung Antispe für Antispeziesismus drückt unseren Fokus auf den Kampf gegen die Diskriminierung und damit verbundene Ausbeutung von Individuen auf Grund ihrer Spezieszugehörigkeit aus, welche wir in Strukturanalogie zu anderen Diskriminierungsformen, wie Rassismus, Sexismus u.v.m. sehen.

Bergedorf: Anders als die meisten Tierrechts/-befreiungsgruppen, haben wir unseren räumlichen Schwerpunkt im östlichen Stadtrand Hamburgs, um den Einfluss der Bewegung nicht nur auf die Innenstadt zu beschränken, sondern den Tierrechts/-befreiungsgedanken auch in der Peripherie, in der viele Menschen leben, aufwachsen und sozialisiert werden, zu verwurzeln. Am Stadtrand ergeben sich andere Möglichkeiten in die Diskursbildung und Entscheidungsfindung einzuwirken und eine wahrnehmbare politische  Kraft zu sein.